NIPT= Nicht Invasiver Pränataler Test

Das Ziel der pränatalen Diagnostik ist es möglichst alle krankhaften Befunde frühzeitig zu erkennen, um die werdende Mama entsprechend angepasst betreuen zu können.
Noch einmal die griffigen Daten:

• 4,7% aller Kinder sind krank.

• 66% davon haben Fehlbildungen. Das Werkzeug Fehlbildungen zu erkennen ist der Ultraschall.

• 44% aller Kinder sind genetisch krank. Das Werkzeug genetische Erkrankungen zu entdecken ist die Analyse der Chromosomen und der Gene aus fetalen Zellen.

 

Allerdings Vorsicht!! 

Fetales Zellmaterial kann man mit einer Punktion aus dem Mutterkuchen oder dem Fruchtwasser gewinnen. Das ist potentiell gefährlich und daher nur „Risikopatientinnen“ vorbehalten. Als Risikopatientin bezeichnet man Frauen ab dem 35. Lebensjahr. Ab diesem Alter steigt allerdings einzig und allein das Risiko ein Kind mit Trisomie 13, 18 oder 21 (das allen bekannte Down Syndrom) zu bekommen. Sehen sie sich die Grafik an – diese Erkrankungen stellen nur einen Bruchteil aller genetischen Erkrankungen dar.

In der Tat ist es so, dass es außer für die genannten Erkrankungen KEINEN Zusammenhang mit dem Alter der Mutter für Fehlbildungen oder genetische Erkrankungen gibt.

Was lag daher näher, als eine Methode zu entwickeln, die nicht invasiv – sprich ohne Punktion und Gefahr – JEDE Schwangerschaft genetisch abklären kann.
Zunächst besann man sich darauf, dass sehr viele der genetischen Erkrankungen mit einem bestimmten Muster von Fehlbildungen einhergehen, die wiederrum mit dem Ultraschall gesehen werden können. Aber halt nur viele und bei weitem nicht alle und schon gar nicht alle davon frühzeitig. Aber immerhin – das war die Geburtsstunde des Ersttrimester Screenings: Man fand ein Muster an sonografischen Merkmalen und Blutwerten, die die Trisomie 21 zu 95% und Trisomie 13 und 18 zu 100% erkennen lassen.
Anfänglich übersah man in diesem Enthusiasmus ganz, dass man neben diesen Markern (die Nackenfalte, das Nasenbein, Die Herzklappen, auffällige Flussprofile in kleinsten Gefäße) eigentlich das gesamte Kind feindiagnostisch durchchecken sollte- also nicht selektiv auf bestimmt Krankheitsbilder, sondern ganzheitlich. Das war die Geburtsstunde der frühen Feindiagnostik. In unserem Institut wurde in den letzten Jahren jeder Herzfehler bereits beim Ersttrimesterscreening diagnostiziert. Blicken wir wieder auf die Grafik und den großen Anteil an Fehlbildungen, ist es eine große Errungenschaft, dass die meisten vor allem schweren Fehlbildungen bereits frühzeitig erkannt werden können.
Bedenkt man, dass etliche dieser Fehlbildungen mit Chromosomenfehlern einhergehen, können damit noch mehr genetische Erkrankungen entdeckt werden als die oben beschriebenen. Aber es gibt auch viele genetische Erkrankungen, die erst zu einem späteren Zeitpunkt der Schwangerschaft auch sonografisch auffällig werden bzw auch etliche, die erst nach der Geburt Auffälligkeiten entwickeln.

Es war also notwendig, eine direkte Analyse der Gene auf nicht invasivem Weg zu entwickeln. Und dann kam der Durchbruch mit der Entdeckung, dass die werdende Mutter Zellfragmente - und damit Fragmente der kindlichen DNA- sprich genetisches Material- vom Mutterkuchen aus in ihr Blutgefäßsystem einschwemmt.

Das wurde innerhalb weniger Jahre soweit entwickelt, dass Computer dieses fetale Zellmaterial aus dem Blut der Mutter isolieren und genetisch analysieren können.
Die erste Generation dieser Maschinen entdecken überzählige Chromosomen (das sind die fetalen Trisomien 21, 18 und 13 sowie Klinefelter-, Turner-, Triple X-, XYY-Syndrom: siehe Grafik)
Aber schon gibt es die nächste Generation, die jetzt schon das Fehlen oder das Zuviel von kleinen Bruchstücken von Chromosomen erkennt.
Der Vistara Test von der Firma Natera entdeckt sogar Defekte EINZELNER Gene!!

Und dabei sind diese Teste äußerst präzise: Bei 1.000 Schwangeren mit einem gesunden Embryo stufen die Tests 999 korrekt ein, bei einer Frau jedoch gibt es einen Fehlalarm. Das Problem dieser immer umfangreicheren Tests ist also, dass werdende Eltern eine Menge wissen müssen, bevor sie sich für oder gegen diese neuen Tests entscheiden. Die angeborenen Leiden, die von Vistara und Co untersucht werden, sind für sich genommen ziemlich selten. Weil sie aber viele mögliche Gendefekte zugleich überprüfen, werden sie ähnlich häufig (und eben ganz ganz selten fälschlicherweise) anschlagen.
Wenn man sich dazu entschließt über die Gesundheit seines Babys genau Bescheid zu wissen, ist der NIPT eine ausgezeichnete Möglichkeit entweder bei sonografischem Verdacht bzw. auch ohne diesen die genetische Seite der möglichen Erkrankungen des Babys abzuklären.

 

ABER - Kein Test kann ein gesundes Kind garantieren

Mit den neuesten Tests lassen sich knapp hundert angeborene Leiden ausschließen, die Medizin kennt aber Tausende. Schwangere sich in falscher Sicherheit wiegen könnten.
Bei unserer Beratung geht es daher auch um das: Wann nützt ihnen welche Information über ihr Kind? Was ist dabei vielleicht zu befürchten?
Tatasache ist aber: Die Entwicklung der NIPTs -nicht invasiver pränataler Tests aus dem Blut der Mutter – schreitet rasant voran. Bald wird die nächste Generation der Bluttests verfügbar sein. Die noch vor Kurzem utopische Vision mit einer Blutprobe der Schwangeren das gesamte Erbgut des Embryos zu entziffern wird Realität werden. Was zeigt das?

 

Die Pränataldiagnostik hat die ethische Debatte längst überholt.

Nehmen wir das Beispiel Down Syndrom. Immer geht es in der Debatte über die genetische Abklärung vorrangig um die Trisomie 21, das Down Syndrom.
Um zu verstehen, wie die neuesten Tests wirken, muss man sich eines vor Augen führen: Trisomie 21 ist zwar die häufigsten genetischen Ursachen für eine Behinderung von Neugeborenen (zwei pro 1.000 Schwangerschaften), aber beileibe nicht die einzige. Mindestens fünf von hundert Kindern kommen mit einer angeborenen Beeinträchtigung zur Welt. Viele sind behindert, manche furchtbar krank oder todgeweiht. Drei Prozent der Neugeborenen bleiben auch in ihrer kognitiven Entwicklung eingeschränkt oder stark geistig behindert. In der weit überwiegenden Zahl dieser Fälle sind genetische Defekte in einzelnen Genen dafür verantwortlich. Die Medizin kennt Tausende solcher angeborenen Krankheiten, Fehlbildungen und Behinderungen. Zusammengenommen sind sie etwa zwanzigmal häufiger als das Down-Syndrom. Mutter Natur kann grausam sein.
In Anbetracht dieser Fakten ist es unverständlich, dass immer noch die selektive Suche nach dem Kind mit Trisomie 21 im Zentrum der genetischen Abklärung steht. Es ist heute auch kein Thema mehr, dass in solchen Fällen in 9 von 10 Fällen die Eltern die Entscheidung treffen, die Schwangerschaft abzubrechen. Seit der Einführung der NIPTs und damit der Möglichkeit, weit mehr und in den meisten Fällen auch schwerwiegendere Chromosomenfehler als die Trisomie 21 zu entdecken, werden plötzlich die Stimmen laut, die die ausufernde Kontrolle des werdenden Lebens kritisieren.
Aber noch einmal- warum diskutieren wir das jetzt, wo wir seit Jahrzehnten alles daran gesetzt haben das Down Syndrom frühzeitig zu erkennen??
Für uns gilt daher: Die werdenden Eltern haben das Recht, bestmöglich über die Gesundheit ihres Kindes Bescheid zu wissen. Wir finden es absurd, dass Pränataldiagnostiker öffentlich kundtun, den werdenden Eltern, die einen NIPT wünschen, nur Teile des Ergebnisses mitzuteilen. Wir handhaben das anders: Im Falle eines positiven Testergebnisses wird mit einer Fruchtwasser Punktion vorerst die Diagnose bestätigt und anschließend klären wir fächerübergreifend auf.
Wir sind auf jeden Fall darauf vorbereitet, dass bald ein paar Milliliter mütterlichen Bluts ausreichen, um das gesamte Erbgut des Ungeborenen zu entschlüsseln. Es geht dann nicht um Befindlichkeiten von Menschen, die anscheinend die Moral gepachtet haben, sondern um das Schicksal eines Individuums. Wir nehmen die Herausforderung an.

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