Infektionen in der Schwangerschaft
Was wirklich relevant ist – und warum Angst unnötig ist
Infektionen in der Schwangerschaft sind ein häufiges Thema in sozialen Medien – dort jedoch oft stark überzeichnet. Medizinisch betrachtet sind relevante Infektionen selten und bei guter Aufklärung nahezu immer vermeidbar.
Über 95 % aller Schwangerschaften verlaufen ohne infektiöse Komplikationen. Entscheidend ist nicht Angst, sondern Wissen, Hygiene und die Kenntnis des eigenen Immunstatus.
Sind Infektionen in der Schwangerschaft gefährlich?
In den allermeisten Fällen: nein.
Nur wenige, gut bekannte Erreger können – in bestimmten Schwangerschaftswochen – eine Bedeutung für das ungeborene Kind haben. Genau diese werden im Rahmen der Mutter-Kind-Pass-Untersuchungen und ergänzender Screenings gezielt berücksichtigt.
Wichtige Infektionen in der Schwangerschaft – kurz & sachlich erklärt
Röteln in der Schwangerschaft
Die meisten Frauen sind in der Kindheit geimpft und lebenslang geschützt.
Der Immunstatus wird routinemäßig im Mutter-Kind-Pass kontrolliert.
→ Sehr seltenes Risiko
Toxoplasmose in der Schwangerschaft
Die Infektion ist selten und gut vermeidbar.
Der Immunstatus wird zu Beginn der Schwangerschaft bestimmt.
Einfache Schutzmaßnahmen:
- keine Rohmilchprodukte
- Fleisch gut durchgaren (≈ 75 °C)
- gute Küchenhygiene, Händewaschen, getrennte Schneidebretter
→ Bei Einhaltung der Hygieneregeln nahezu kein Risiko
Varizellen (Windpocken) in der Schwangerschaft
Wer Windpocken als Kind hatte (die Mehrheit), ist lebenslang immun.
Bei unklarer Vorgeschichte empfehlen wir eine Immunstatus-Kontrolle.
Ringelröteln (Parvovirus B19) in der Schwangerschaft
Etwa 70 % der Schwangeren sind immun.
Eine Erstinfektion zwischen der 8. und 20. SSW ist selten, kann aber relevant sein.
→ Daher empfehlen wir eine frühe Antikörperbestimmung.
→ Bei Kontakt mit erkrankten Kindern erfolgt rasch eine Blut- und PCR-Abklärung.
Zytomegalie (CMV) in der Schwangerschaft
CMV ist weit verbreitet und verläuft bei Erwachsenen meist symptomlos.
Wichtig zu wissen:
- relevant nur bei Erstinfektion im 1. Trimester
- Übertragung meist durch engen Kontakt (Speichel, Tränen),
- häufig über eigene Kleinkinder
- einfache Hygienemaßnahmen reduzieren das Risiko deutlich
Am Ende des ersten Trimesters empfehlen wir eine serologische Kontrolle.
Listeriose in der Schwangerschaft
Eine bakterielle Infektion – kein Antikörperschutz möglich.
Es gelten dieselben Vorsichtsmaßnahmen wie bei Toxoplasmose:
- keine Rohmilchprodukte
- gute Küchenhygiene
Kosten & Krankenkasse
Die Bestimmung des Immunstatus für CMV, Ringelröteln und Varizellen wird nicht von der gesetzlichen Gesundheitskasse übernommen.
Impfungen in der Schwangerschaft – Empfehlungen
Empfohlene Impfungen
- Influenza (Grippe) – klare Empfehlung
- Pertussis (Keuchhusten) ab der 28. SSW
(Schutz des Neugeborenen in den ersten Lebensmonaten) - COVID-19 bei Schwangeren mit Risikofaktoren
(z. B. Übergewicht, metabolisches Syndrom)
Wir unterstützen ausdrücklich die Teilnahme an der Embryotox-Beobachtungsstudie (Charité Berlin).
Nicht erlaubt in der Schwangerschaft
- Masern
- Mumps
- Röteln
- Varizellen
- Typhus (Lebendimpfstoffe)